Drei Wege aus der Beziehungskrise

GIADA Blog [ 2 ]
Beziehungskrise Foto Oliver Rath Beziehungskrise – Handysucht Nur noch eine SMS Foto von Oliver Rath

 

„Wir haben kaum Sex, ich halte es nicht mehr aus“. Sagte sie plötzlich, während wir uns beim Shoppen über ihren letzten Fotoshoot unterhielten.

„Was bedeutet kaum, alles ist relativ, für einige ist ein paar Mal die Woche, kaum.“


Seit acht Jahren sind Susy und Mark zusammen, seit sechs verheiratet.
Ein ganz unauffälliges Liebespaar. Mark ist Journalist, Susy Galeristin und Gelegenheitsmodel. Beide sind gebildet, höflich und attraktiv. Besonders Susy, sie ist eine Augenweide, sie ist sicher die Hauptdarstellerin in vielen feuchten Träumen.
„Wenn ich Glück habe, ein Mal im Monat“. Stille.

„Stecken wir in einer Beziehungskrise?“

„Entscheidend bei der Frage ist, wie lange es so läuft.“
„Mindestens fünf Jahre.“ Sie senkte den Blick nach unten, wie ein Kind, das bei der Mutter eine Fünf eingesteht.
Susy und ich kennen uns seit zwei Jahren, sie kennt meine Einstellung zu Sex in einer Beziehung und ist gerade bereit, die Konsequenzen ihrer Beichte zu ertragen.
„Fünf Jahre? Beziehungskrise? Das ist die Hölle auf Erde! Du bist gerade 32, worauf hast du gewartet? Wolltest du für den Kloster trainieren? Was hast du dir dabei gedacht? Warum kommst du erst jetzt zu mir? Beziehungskrise… Hast du mindestens mit Mark darüber gesprochen? Was sagt er? Wann hat alles angefangen? Selbstverständlich ist das eine Beziehungskrise! Was hast du dir unter eine Beziehungskrise vorgestellt, dass du ihn im Bett mit deiner Schwester erwischst?“. Ich war entsetzt.
Susy fing an zu weimen. Und da verstand ich, dass ich gerade auf jemanden trat, der schon längst auf dem Boden lag. Das war nicht meine Beziehungskrise, wie konnte ich so hart zu ihr sein? Ich fühlte mich elend.

„Hör auf zu heulen, das bringt gar nichts, lass uns die Situation analysieren und gucken, ob da noch was zu retten ist. Eine Beziehungskrise muss nicht zwangsläufig zu einer Scheidung führen.“

Auf meine erste Frage antwortete sie energisch: „Ja, ich liebe Mark!“
„Dann ist die Option, ihn zu verlassen, schon mal ausgeschlossen“. Sie schaute mich voller Hoffnung an.
„So bleiben zwei Möglichkeiten: eine Paartherapie mit einem Profi oder…“, „Das geht nicht, ich hatte mich an das Thema schon ran getastet und er machte gleich zu, wir reden nicht offen über Sex, er schickt Signale, zum Beispiel sagt er: ‚Dicke Eier’…“ Sie wurde rot.

„Dicke Eier?“

„Ja, ein Mal die Woche sagt er es und ich weiß, dass meine Hand dran ist.“
„Mark? Der Akademiker? Der liebe, sensible, gebildete, intelligente, smarte, perfekte Schwiegersohn grunzt ein Mal die Woche ‚Dicke Eier‘ seiner Frau hinterher? Und was macht die Frau?“
„Ich frage ihn, ob ich vielleicht mich dabei ausziehen sollte.“ Mir fielen die Worte.
Erst versuchte ich, mein Entsetzen zu verbergen, aber dann beschloss ich, mich nicht wie Susy und Mark zu benehmen. Eine offene Kommunikation war nun angesagt.
„Ok, nur damit ich wirklich verstehe: Er sagt ‚Dicke Eier‘, du sagst ‚Nackt oder Angezogen‘ er sagt?“.

Dieses Gespräch würde immer skurriler.

„Angezogen!“.

„Und was machst du?“ Jetzt war ich wirklich neugierig.
„Ich packe den Stier bei den Hörnern und danach schläft er ein“.

„Schatz, lass er dir es sagen, der Typ ist alles außer ein Stier aber es ist echt nett, dass du versuchst, die Ehre deines Ehemanns zu retten…“

Bei Kuchen und heißem Kakao gab Susy ihrem Frust Flügel, sie erzählte von der nicht existierenden Kommunikation in der Beziehung. Je mehr sie erzählte, desto mehr Kuchen schluckte sie runter, als ob die gesprochenen Wörter Platz für etwas Neues machen würden. Das Wort ‚Beziehungskrise‘ kam kein einziges Mal vor und stattdessen sprach sie über Liebe, Wünsche und Zukunftspläne. Das Negative lies der Hoffnung Platz.

Nach zwei Stunden Monolog und Fressorgie meinte sie: „Was war die dritte Lösung?“

„Weiterbildung! Sex Ratgeber und Beziehungsratgeber können dir neue Impulse geben. In der Familie und in der Schule werden wir für das Leben zur Zweit nicht gebildet. Wir haben als Vorbilder nur unsere eigenen Eltern aber was passiert, wenn unsere Eltern keine glückliche Beziehung hatten? Einige Menschen stecken ein Leben lang in einer Beziehungskrise. So ist es auch bei der Bildung in Sachen Sex. Wie sollen wir wissen, was Männer mögen? Wie wollen Männer wissen, wie man eine Frau befriedigt? Und die Königdisziplin ist bei einer langen Beziehung: Wie will man das Sexleben aufregend halten?“

„Irgendwie hast du recht, über Sex rede ich mit ihm nie, nur mit dir!“

„Einer von den besten Regeln im Leben ist: „Denken, bevor man spricht! Und bei einer Beziehungskrise könnte man diese Regel in – Sich weiterbilden, bevor man über Sex redet – umwandeln.“

„Wow, das klingt nach Arbeit, vielleicht ist ein Mal Sex im Monat doch genug, oder eine Affäre, was hältst du davon?“.
„Ich halte so viel davon, wie von neuen Brüsten zum 30. Geburtstag.“
„Aber ich habe sie zum 30. machen lassen…“
„Hätte ich mir denken können!“
Das verstand die liebe Susy auch nicht aber sie war gut gelaunt und super motiviert, den super Liebhaber zu finden.

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