Extrem, Extremer, KitKat Club Berlin!

Interviews [ 0 ]
Vigor und Giada Fotoquelle giada.berlin

 

Vigor Calma, Autor von „KitKat Club Berlin“ und Künstler, legte das in Schrift nieder, was im buntesten Club Berlins vor 20 Jahren erlebt wurde -aber für die meisten schwer auszudrücken war.

 

KitKat-Einmalig

Das Buch zum legendären Club! Leider nicht mehr lieferbar.

Er schrieb all seine erotischen, verrückten, abenteuerlichen Erlebnisse auf, führte Tagebuch, das mehr und mehr von seinen KitKat-Erfahrungen gefüllt wurde. Auch seine Bilder sind erotischer Art, und wenn man sie betrachtet, scheinen sie kaum von dieser Welt. Vielleicht drücken sie das aus, was er nicht in Worte fassen kann oder konnte. Giada.Berlin führte ein Interview mit ihm und erlebt nochmal hautnah, was es bedeutet, Mensch zu sein. Was ein Ort bedeutet, an dem jeder so sein kann, wie er ist. Ein Ort, der alle Facetten widerspiegelt, die ein Mensch haben kann. Ein wilder, bunter Ort voller Freude, Extase, Erotik und Lust.

 

giada.berlin: Dein Buch ist inzwischen ausverkauft. Was hat Dich dazu gebracht, das Buch „KitKat Club – Das Buch“ zu schreiben?

Vigor: Ich habe immer Tagebuch geführt, und die KitKat-Erlebnisse haben dann einen immer größeren Raum eingenommen. Irgendwann habe ich gesehen, dass ich da eine Wahnsinns-Geschichte auf meinem Computer hatte.

giada.berlin: Warum hast Du ein Tagebuch geführt?

Vigor: Um mich zu erinnern. Die Geschichten waren so unglaublich, dass ich sie unbedingt festhalten musste. Sie haben mich sogar bis in meine Träume verfolgt. Ich habe in der KitKat-Zeit praktisch jede Nacht geträumt, und es war überwiegend erotisch.

giada.berlin: Wow, wie oft warst Du im KitKatClub? Regelmäßig?

Vigor: Als ich anfing, war es nur einmal in der Woche. Freitags. Dann kam der Samstag dazu und dann noch der Sonntag. Also dreimal die Woche.

giada.berlin: Erst als Gast, und wann bist Du aktiver geworden?

Vigor: Das begann damit, dass ich, wie im Buch beschrieben, dem Besitzer bei einer sexuellen Aktion zugesehen habe. Das hat mich so inspiriert, dass ich ihm ein Bild schenken wollte. Er hat mir dann vorgeschlagen, dass ich etwas mit Schwarzlicht malen könnte. Und dann wurde ich sozusagen Bestandteil vom Club.

giada.berlin: Was erwartet die LeserInnen Deines Buches?

Vigor: Eine authentische Geschichte von einem relativ frustrierten jungen Mann, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, der dann aber so ziemlich alles über Sex erfahren hat, was man über Sex erfahren kann.

giada.berlin: Muss man denn Ahnung von Sex haben?

Vigor: Das kommt darauf an, welchen Anspruch man an sich selbst hat. Ich war schon immer jemand, der es darauf angelegt hat, in die Tiefe zu gehen.
Die meisten Menschen bleiben auf dem Level, auf dem sie geprägt wurden. Pubertät oder Kindheitserfahrungen. Und das ziehen sie das ganze Leben durch. Das ist auch völlig legitim, aber für mich reicht das eben nicht.

giada.berlin: Kann Sex denn glücklich machen, ist Sex wichtig für die Menschen?

Vigor: Sex macht auf jeden Fall glücklich! Sonst würde ich es nicht tun.
Ich glaube, es ist für die Gesundheit der Menschen unerlässlich. Denn Sex kann Angst auflösen. Menschen werden auf Angst geprägt, dann sind sie formbar und können gut geführt werden. Deshalb ist Sex auch, meiner Meinung nach, tabuisiert, weil Sex dich auf Ideen bringt. Im Orgasmus erfährst du, dass da noch etwas anderes existiert als Arbeit, Pflichterfüllung und ein geregeltes Leben. Du erfährst, dass du genießen darfst. Du erfährst Freiheit. Und in der Freiheit erfährst du neue Ideen. Und das ist auch der Grund, weshalb ich in dem ganzen Sexbereich bin. Sex hat mich unglaublich inspiriert und auf Ideen gebracht, die du nicht in der Tageszeitung oder im Fernsehen bekommst.

giada.berlin: Welche Ideen?

Vigor: Zum Beispiel, auf eine bestimmte Art um die Welt zu reisen. Nicht als Tourist, sondern als Mensch, der das Leben aufsaugt. Menschen zu treffen und zwar ohne Vorbehalte. Mein Leben nicht auf Geld verdienen auszurichten, sondern auf Freude.

giada.berlin: Du kannst dich doch einfach selbst anfassen. Man muss doch keine Studie daraus machen.

Vigor: Ich habe relativ schnell rausgefunden, dass Sex ein Abflug ohne Ende ist. Das heißt, es kann unendlich weiter gehen. Ich kann also entweder auf dem Level bleiben: OK´, ich habe jetzt meinen kleinen Orgasmus und der war schön. Ein Quickie gewissermaßen. Oder ich kann dazu lernen. Und ich habe eine Menge interessanter Frauen kennen gelernt, die mir immer etwas mit auf den Weg gegeben haben. Wodurch ich viel dazu gelernt habe und sich mir völlig neue Bereiche der Lust aufgetan haben.

giada.berlin: Was glaubst Du ist der Unterschied zwischen Männersex und Frauensex?

Vigor: Männersex bedeutet Leistung und Sport. Traurigerweise! Das klingt vielleicht sexistisch und pauschalisierend, ist aber, was ich bis heute bei den meisten Männern beobachte.
Ich hatte das Glück, dass ich auf Frauen getroffen bin, die mich auf ein paar Ideen gebracht haben. Dass sich nicht alles um den Schwanz dreht, sondern dass da noch viel mehr ist.

Vigor Calma und seine Bilder im KitKat Club

Fotoquelle giada.berlin

Frauensex ist mond-indizierter Wahnsinn. Was ich damit sagen will, ist, dass der Mond einfach eine Menge ausmacht, wenn es um weibliche Sexualität geht. Da gibt es diese Stimmungsschwankungen, die kein Mann versteht. Phasen, in denen die Frau absolut keine Lust hat und dann wieder Phasen, in denen sie eine Furie wird, weil sie der Mond gerade antriggert.

giada.berlin: Und wie war das, bevor Du in den KitKatClub gegangen bist?

Vigor: Ich war ein hoffnungsloser Romantiker. D.h. ich hatte zwar schon meine ersten sexuellen Weihungen bekommen. Aber ich war naiv, wenn es um Partnerschaft ging. Das hat mich schon immer in Probleme gebracht. Das KitKat hat meine ganzen Partnerschaftskonstrukte und Liebeskonstrukte auf den Kopf gestellt.
Bevor ich ins KitKat gekommen bin, habe ich noch an die große Liebe geglaubt.

giada.berlin: Aber ich habe doch im KitKatClub gesehen, dass da auch glückliche Pärchen sind.

Vigor: Ja natürlich. Das ist kein Widerspruch. Mein Problem war, dass ich vor dem KitKat romantische Bilder aus Hollywood und aus meinen Lieblingsromanen hatte, wie ich mit einer Frau zusammen leben möchte. Und die Realität sieht einfach ein bisschen anders aus: Alles geht vorbei.

giada.berlin: Was geht vorbei? Die Liebe? Die Leidenschaft? Die Anziehungskraft? Gibt es gar keine Hoffnung?

Vigor: Es gibt eine Hoffnung, aber auf einer völlig anderen Ebene, als wir gelernt haben in dieser Gesellschaft. Aus meiner Sicht sieht das so aus, dass das Leben Veränderung ist. Alle Bereiche betreffend. Du bist von etwas begeistert, das hält eine Weile, aber irgendwann ist die Begeisterung weg, bzw. wird durch etwas anderes ersetzt. In der heutigen Gesellschaft glauben wir immer noch daran, dass, wenn sich eine Liebe gefunden hat, sie ein Leben halten muss, weil das ja ein so großes Gefühl ist.

giada.berlin: Muss sie ja nicht. Aber kann sie ein Leben lang halten?

Vigor: Selten. Super selten. Ich würde sagen, das ist die absolute Ausnahme.
Das ist einfach die Natur des Lebens selbst. Des Menschen. Alles ändert sich und alles geht vorüber. Dann muss du entweder viel Energie aufwenden, um das ganze Ding am Laufen zu halten oder du lässt los und sagst „Danke“ und weiter geht’s.

giada.berlin: Aber durch Sex kann man eine Beziehung aufrecht erhalten?

Vigor: Das kann man, ja. Wie ich im Buch auch meine Beziehung mit Lucy beschreibe. Die immerhin viereinhalb Jahre ging. Da war das wichtigste Bindeglied, außer dem KitKatClub, unsere Sexualität. Sie hat unsere Beziehung jeden Tag zu einem Erlebnis gemacht. Aber auch das ging vorüber. Das ist dann auch keine Tragödie, nichts Schlimmes, sondern einfach eine Tatsache des Lebens. Alles ändert sich. Ich finde das nicht mehr dramatisch. Ich finde es eher dramatisch, dass die Menschen versuchen, auf Teufel komm raus festzuhalten an etwas, was vorbei ist. Wenn es vorbei ist, kann man loslassen.
Ich übe das Loslassen immer noch. Das ist nicht das, was ich gelernt habe. Was ich gelernt habe, ist: man trifft einen Menschen, den liebt man, und mit dem ist man glücklich bis ans Ende aller Tage. Mit oder ohne Kinder. Aber die Wahrheit sieht ein bisschen anders aus.

giada.berlin: Was ist Deine Lieblingspassage im Buch?

Vigor: Da gibt es zwei. Die Anfangssequenz, meine erste Nacht im KitKatClub und das Kapitel „Fleischtheke für Tiere“.

giada.berlin: In Deinem Buch beschreibst Du immer sehr starke Frauen. Sie machen den Club aus. Sie sind stark, selbstbewusst, sie haben die Situation voll unter Kontrolle.

Vigor: Das ist eben meine Wahrnehmung von Frauen. Sie sind auch eine Herausforderung für alle Männer im KitKatClub gewesen. Im Gegensatz zu einem Bordell, wo Frauen die Lustsklavinnen sind, konntest du im KitKat nie sicher sein, mit wem du es zu tun hattest.
Dementsprechend gab es auch viele Situationen, in denen Männer extrem überfordert waren. Und auf der anderen Seite hat das gerade für mich den ultimativen Reiz ausgemacht. In dem Moment, in dem ich gefordert werde, und es dann hin und her fließt, wird es dann auch extrem spannend. Und das hat natürlich auch die Energie im ganzen Club beeinflusst.

giada.berlin: Eine starke Frau vom Club ist Kirsten die Besitzerin des Clubs.

Vigor: Ja, eine Begegnung mit Kirsten ist immer die Balance zwischen meinem eigenen Weg und Dankbarkeit. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie mir einen Riesen-Teppich ausgerollt hat. Sie ist diejenige, die den Club am Laufen hält.

giada.berlin: Was ist Deine Mission als Künstler?

Vigor: Zu inspirieren. Dazu zu inspirieren, aus den gewohnten Strukturen rauszudenken und auszubrechen. Viele sind gefangen in fremden Strukturen, die von Kirche, Staat und gesellschaftlichen Tabus vorgegeben werden.

giada.berlin: Was sind die geläufigsten Tabus?

Vigor: Non-Konformismus und eigenständiges Denken sind nicht gefragt. Und Gefühle werden bis heute mit Misstrauen betrachtet.

giada.berlin: Keine Antwort, die mit mehr Sex zu tun hat?

Vigor: Ich denke, dass Sex und Politik weit näher zusammen liegen, als die meisten denken. Das Ding ist, sie tun alle so, als ob es so etwas wie neutrale Menschen gäbe, aber tatsächlich wird Politik überwiegend von Männern gemacht. Und Männer sind sexuell. Und bestimmte Entscheidungen werden aus diesem Männer-Sex-Universum heraus getroffen. Da gibt es eine Verbindung.
Frauen haben einen anderen Trieb als Männer. Nicht so leistungsorientiert.

giada.berlin: Inwiefern beeinflussen deine Schwarzlichtbilder die Atmosphäre im Club?

KitKat Club und die Verrückten

Fotoquelle giada.berlin

Vigor: Die Bilder haben so etwas wie ein energetisches Feld geschaffen, dem sich niemand entziehen konnte. Der KitKatClub war im Grunde eine Energieblase: Laute Musik, erotische Stimmung, sexuelle Leute und die Bilder. Das alles zusammen hat einen freundlichen Raum geschaffen, in dem sich die Leute wohl gefühlt haben und sich frei gefühlt haben, sich gehen zu lassen. Dahingehend waren meine Bilder sowohl Anregung als auch ein Stück weit Sicherheit und Vertrauen schaffend.

giada.berlin: Wie viele Bilder von Dir sind im KitKat ausgestellt?

Vigor:Im Laufe der 20 Jahre sind locker zwischen 300-400 Bilder entstanden. Die meisten sind kaputt gegangen im Partybetrieb. Aktuell hängen im KiKatClub schätzungsweise 40 Bilder von mir.

giada.berlin: Alle kennen Dich im KitKatClub. Du warst eine Art Rockstar und alle kennen den „Träumer“. Warum?

Vigor: Der „Rockstar“ war eindeutig der Besitzer des Clubs. Was er jede Partynacht an exzessiven, extremen Performances ablieferte, ist bis heute unerreicht. Er hat vorgelebt, was er sich unter Sex vorstellte, und mich damit oft inspiriert. Ich war ein Träumer auf einer persönlichen, sexuellen Entdeckungsreise. Auch das hat viele inspiriert. Ich glaube, die Menschen brauchen Menschen, die ihnen Mut machen. Ich war ein Stück weit eine Projektionsfläche für ihre Phantasien und ihre Wünsche an das eigene Leben. Ich habe ihnen vorgelebt, dass man als Künstler tatsächlich irgendwo hinkommen kann. Ich hatte es nicht darauf angelegt, aber ich denke, dass mich eine Menge Leute als Vorbild gesehen haben. Als freier Mensch. Weil sie auch nach dieser Freiheit gestrebt haben.

giada.berlin: Im Buch schreibst Du über Deine Beziehung mit Lucy. Ihr wurdet als perfektes Pärchen angesehen. Warum?

Vigor: Weil wir ein bestimmtes Auftreten im Club hatten. Sie war die sexuelle Phantasie von so ziemlich jedem Gast. Ich wiederum der schräge Künstlertyp. Das bot viel Raum für Interpretationen.

giada.berlin: Seht ihr euch noch?

Vigor:Wir treffen uns nur immer noch ab und zu im KitKat und haben einen guten Draht zueinander. Aber ansonsten haben sich unsere sehr Wege sehr weit voneinander entfernt.

giada.berlin: Was ist das Geheimnis des KitKatClub Berlin? Was macht ihn so erfolgreich? Warum kennt man ihn auf der ganzen Welt?

Vigor: Die Besitzer haben dafür einen Satz geprägt: „Do whatyouwant, but stay incommunication.“ Jede noch so erdenkliche schräge, sonderbare Situation kann stattfinden, wenn Kommunikation stattfindet. Und das ist die Basis dieser Spielwiese. Das funktioniert wie nirgendwo sonst. Und eben auch nur in Berlin. Es gibt ja einen Ableger des KitKatClubs in Köln. Die Partys, die dort stattfinden, sind auch echt toll, das kann man nicht anders sagen, aber es fehlt der Berliner Flair. KiKat ist irgendwie mit Berlin verbunden. Letztlich kommen aber viele Dinge zusammen: Die Stadt, die Musik, die Zeit, das Publikum, die richtige Philosophie.

giada.berlin: Warum gehen Menschen ins KitKat?

Vigor: Weil es lockt. Es ist wie ein Angebot aus einem Traum. Hier darfst du so sein, wie du sein möchtest. Hier musst du dich nicht verstellen. Hier darfst du die Hosen runter lassen, ohne dass du komisch angeguckt wirst. Hier brauchst du keine Maske tragen. Aber du darfst, wenn du willst.

giada.berlin: Was für ein Publikum erwartet mich im KitKatClub?

Vigor: Das lässt sich am Besten mit einer Passage aus dem Buch beschreiben:
„Ein riesiger Haufen lebenslustiger, offener, lustvoller, tanzender Menschen – ich betone: Menschen! – ist mir bisher nicht begegnet. So wie das, was ich in dieser Nacht erlebte, bis in den Morgen, stellte ich mir eine Party vor. Alte und Junge, Dicke und Dünne, Nackte und weniger Nackte, Lesben, Schwule, Heteros, Sadisten, Exhibitionisten, Masochisten, Spinner, Ficker, Fetischisten, und Träumer.“
Im KitKat habe ich alle Typen Mensch kennen gelernt. Im Gegensatz zu anderen Clubs herrschte und herrscht hier Toleranz.
Das KitKat ist der einzige Club in Berlin, in dem ich authentische Menschen treffe. Und wenn ich sage authentisch, meine ich verrückt, brav, verklemmt, sexy, sie verstellen sich nicht. Und diejenigen, die sich verstellen, machen das so plakativ, dass es auch wieder authentisch ist. Und das macht den Club aus.

giada.berlin: Was rätst du Leuten, die Angst haben, an der Tür des KitKat abgewiesen zu werden? Sollten sie wenig, keine Kleidung tragen?

Vigor: Sie sollten sich einfach der Angst stellen. Die Leute müssen sich Gedanken machen, weshalb sie in den Club wollen. Und wenn sie darauf eine Antwort gefunden haben, dann gilt es, diese Antwort umzusetzen.
Die Kleidungordnung ist ein Mythos. ‚Nacktheit ist gleich freier Eintritt’ oder ‚je weniger Kleidung desto besser’ gelten in keinem Fall. Ich wurde vom KitKat gelockt, weil ich mir versprach, dort Antworten auf bestimmte Fragen zu bekommen. Speziell Fragen sexueller Natur. Dementsprechend habe ich versucht, meine Sexualität in eine Form zu bringen, das heißt, das richtige Outfit zu finden. Solche Gedanken sollte man sich machen: Was möchte ich eigentlich ausdrücken? Wer bin ich? Was für eine sexuelle Persönlichkeit bin ich? Was für ein Tier bin ich?

giada.berlin: Ist die Tür, der Eintritt in den Club, wirklich so hart, wie man erzählt?

Vigor: Gewissermaßen ja. Weil die Besitzerin, die an der Tür steht und für die Auswahl zuständig ist, das ultimative Gespür hat. Sie sieht, wenn jemand in den Club möchte, um sich zu entfalten oder ein Erlebnis zu haben, und wenn irgendjemand hingeht, um einfach nur jemanden aufzureißen und sein Ego auf simple Weise zu befriedigen. Wer für Letzteres kommt, hat keine Chance. Man muss nicht schön sein. Es geht um die Intention, um das, was man in sich trägt.

giada.berlin: Was ist der Unterschied zwischen dem KitKatClub und einem Swingerclub?

Vigor: Der Unterschied wird durch das KitKat selbst ausgemacht. Die Erlebnisse im KitKat haben Ecken und Kanten. Wohingegen Swingerclubs oder herkömmliche erotische Erlebnisse sehr linear verlaufen, sehr einfach gestrickt sind. Im KitKat war nichts einfach, und dementsprechend ist auch das Buch sehr komplex und teilweise widersprüchlich.
Im Buch begleite ich auch Menschen bei ihrer Entwicklung innerhalb des Clubs.

giada.berlin: Was war das extremste / wildeste Erlebnis, das Du im KitKatClub hattest?

Vigor: Als ich erlebt habe, dass eine Frau, die mir als total dominant aufgefallen war, die den härtesten Sex hatte, sowohl passiv als auch aktiv, total auf Zärtlichkeit von mir abgefahren ist. Das hat mein ganzes Leben verändert. Denn in diesem Moment ist mir klar geworden, dass jeder Körper für Zärtlichkeit empfänglich ist.

giada.berlin: Hast Du noch eine enge Beziehung zu den Besitzern des
Clubs?

Vigor: Ja, wir sind nach wie vor befreundet.

giada.berlin: Hast Du schon Promis im Club getroffen?

Vigor: Ich persönlich selten, aber es sind öfter mal welche eingeritten und haben da die Sau rausgelassen. Das war dann Gesprächsthema im Club. Zum Beispiel Jean Paul Gaultier. Kate Moss soll auch mal dagewesen sein. Das habe ich verpasst.

giada.berlin: Was wäre Berlin ohne den KitKatClub?

Vigor: Nur Berlin.

giada.berlin: Was wäre der KitKatClub ohne den Träumer?

Vigor: Ich frage mich, was wäre der Träumer ohne KitKat?

giada.berlin: Kann der KitKat Club nur in Berlin existieren?

Vigor: Definitiv ja. Berlin ist immer noch der Anziehungspunkt für sämtliche Verrückten und Individuen dieser Welt.

giada.berlin: Warum kennen Dich die Leute im KitKat als „Der Träumer“?

Vigor: „Träumer“ wird im gesellschaftlichen Verständnis immer noch als Schimpfwort benutzt. Es wird zwar auch gerne romantisiert, aber wenn es dann um harte Fakten des Lebens geht, stehen Träumer wie die Idioten da. Deshalb habe ich mir gesagt, ich nenne mich „Träumer“. Und damit habe ich allen Leuten den Wind aus den Segeln genommen. Niemand wollte mich mehr auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

giada.berlin: Was hat Deine Kunst in den 90ern besonders gemacht?

Vigor: Zu der Zeit gab es keine sexuellen Bilder, die Sex und psychedelische Farbe in Verbindung brachten. Damit bin ich eine offene Tür eingerannt.

Diese Internetseite verwendet Cookies, um die Funktionalität und den Inhalt zu optimieren. Durch die Nutzung unserer Website wird der Verwendung von Cookies zugestimmt.
Weitere Informationen zu Cookies und der Verwendung Ihrer Daten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.