Generation Whatz the Fuck?!

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Generation Whatz the Fuck?! Fotoquelle giada.berlin

 

WhatsApp und Co lässt unsere Generation verlernen, wie man richtig streitet. Die Generation Y trägt alles nur noch über Mobiltelefone aus, Gefühlsausbrüche werden zu virtuellen Vorgängen. Legt die Handys nieder und schaut euch in die Augen Baby´s.

 

Oh mein Gott. Ich hasse diese Diskussionen per Whats-App. Ich meine, was soll das? Die Scheisse muss ausDISKUTIERT werden und nicht ausgewhats-Appt oder whats-ever. „Das kam jetzt voll zickig rüber“ steht da auf meinem Handy. Alter, wie kann ein „keine Ahnung“ per Textnachricht zickig rüber kommen?

Manchmal finde ich, unsere Generation macht sich die Dinge echt schwieriger als sie eigentlich sind.

Früher hat man sich noch ordentlich gefetzt. Mit Nudelholz und so. Teller werfen. Laut schreien. Türen knallen und wütenden, ungerechtfertigten, theatralischen Abgängen. So mag ich das. Aber diese neue Art von „Streiten“, die geht mir richtig auf den Sack. Jaja, wir entwickeln uns weiter. Ist mir schon klar. Wir sind die Generation, die irgendwann ne ganz neue Krankheit entwickeln wird, weil sich unsere Daumen durchs ewige Tippen merkwürdig verformen werden. Aber nicht jeder Forschritt hat auch seinen Vorteil. Es ist ja nicht so, dass sich unser Wortschatz zurückentwickelt hätte im Laufe der Geschichte. Oder dass sich unsere Fähigkeit, zu reden verabschiedet hätte. Nein, ganz im Gegenteil. Wir brüsten uns damit, immer mehr zu wissen und mehr zu können. Wir waren schließlich auf dem Mond und das vor gefühlten 100 Jahren schon.

Wir sind die Kids von Morgen. Mit den Streitverfahren von übermorgen.

Wenn unsere Spezies also immer klüger und prunkvoller wird, sollten wir doch auch in der Lage sein, einen Streit angemessen und schon fast vornehm artikulierend zu bewältigen. Nope. Scheint wohl nicht der Fall zu sein.

Diese unpersönlichen Buchstaben auf meinem Display machen sich irgendwie lustig über die ganze Tragik des Streits. Ich will kein OMG oder WTF lesen. Ich will eine ordentliche Beschimpfung, aus ganzen Buchstaben und realen Sätzen. Das habe ich verdient, zum Teufel. Und vor allem ist diese Schreiberei echt gefährlich. Sie verleitet schnell dazu, distanziert, respektlos und übertrieben zu reagieren. Steht mir ja keiner gegenüber, der mir den Kopf wäscht, wenn ich mal wieder zu frech werde. Ich muss nicht in traurige, große, leicht glänzende Hundeaugen blicken, wenn ich irgendwas Fieses rausgehauen hab. Ist ja nur mein dummes Handy, wenn’s mir zu bunt wird, pack ich’s halt in die Tasche. Und Ruhe ist.

Und so ziehen sich diese blöden „Cyber-Kriege“ in die Länge. Meine Finger tippen immer wilder, beinahe von alleine. Hab bestimmt schon 1000 Fehler geschrieben. Meine Worte verwandeln sich in kleine zickig Biester, die dem Handy meines Streitpartners miese Seitenhiebe verpassen. Scheisse, ich hab wohl die Kontrolle über meine spitzen Buchstabenpfeile verloren… So bemerke ich kaum, dass ich immer achtloser werde, meine Rolle übertreibe und sich unser Chat in einem wilden Durcheinander aus weinenden Smileys und giftigen Worten verliert. Eine ausgewachsene Chat-Eskalation braut sich da am Horizont zusammen.

Irgendwann bin ich so genervt und meine Finger so taub, dass ich einfach keine Kraft mehr habe für diese sinnfreie Tipperei. Ich weiß sowieso schon lange nicht mehr, worum’s zu Beginn ging. Der Streit hat sich wie eine widerliche Heuschreckenplage ausgebreitet, über meine super sonnige Laune gelegt und meinen Tag verpestet. Von einem Thema zum anderen sind wir gehüpft. Geht ja echt leicht, wenn man so schnell in die Tasten hauen kann wie wir.

Generation I-Phone halt.

Aber Fuck, so wollte ich die Dinge nie klären. Mir reicht’s. Ich beende diese Buchstabenschlacht und verbanne sie ab heute aus meinem Beziehungsleben.

Denn ich finde das echt würdelos und billig. Meine Whats-App Chats sind da, um Klatsch, Tratsch und allerlei Müll zu besprechen. Die neusten Gerüchte zu streuen und über die verkackte Frisur von irgendeiner Bitch zu lachen. Aber bestimmt nicht, um ernsthafte Themen zu bereden. Das ist etwa so sinnlos, wie meiner Mutter klar machen zu wollen, dass meine Tattoos wirklich notwendig sind. Wir sind halt ne neue Generation. Aber ein paar Scheiben können wir uns ruhig noch von den Alten abschneiden. (Sorry dafür Mam´.)

Back to the roots würd´ ich meinen. Legt eure Handys nieder und verwendet sie für die schönen Dinge im Leben, um Selfies zu schießen zum Beispiel. Before-Sex-, During-Sex– oder After-Sex-selfies. Jedem das Seine. Aber um Gottes Willen, versucht niemals einen Streit über eine Textnachricht zu klären. Es endet nämlich in großer Verwirrung über falsch geschickte Smileys, missverstandene Worte, schlecht beschriebene Situationen und verdammt unpassende T9 Verbesserungen. Und so viel Gefühl kann man halt einfach nicht immer in ne Kurznachricht packen. Short Message Service halt! Aber bitte nicht in der Beziehungskrise.

Allem kann man sich eben nicht entziehen. Und dazu gehören nun mal Streitereien. Echte. Face to Face Kriege.

Und mal ganz ehrlich, der Sex danach ist noch immer noch das Beste an dem ganzen Geschrei.

Und der ist halt per WhatsApp wirklich nicht so geil.

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