Laura Méritt: Warum Pornos wichtig sind!

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Wir wollen eine positive Darstellung von Sex! Yurchyks / shutterstock

 

Die (S)Expertin und Lachforscherin Laura Méritt erklärt uns, warum ein Perspektivenwechsel von Pornos echt gut sein kann und inwiefern Schmuddelfilme tatsächlich unsere Sexualität beeinflussen! Pornos sind wichtig, aber dann bitte richtig!

Laura Méritt ist Initiatorin des PorYes Awards, der in Berlin stattfindet. Er wird alle zwei Jahre verliehen. Der Award wird dieses Jahr an Jennifer Lyon Bell (Spezialistin für Slow Sex Aufnahmen und lustvolle Darstellung von weiblicher Sexualität), Goodyn Green (Fotografin für queer Erotik) und Jizz Lee (generdqueerer Pornostar) überreicht.

 

Giada.Berlin: Was ist der Unterschied zwischen einem Pornofilm für Frauen und einem für Männer? Sex bleibt immer noch Sex, auch wenn man die Perspektive ändert. Oder?

 

Laura Méritt: Der Malestreamporn ist auf die Ejakulation des Mannes ins Gesicht der Frau als „Höhepunkt“ konzentriert, arbeitet mit starken Stereotypen und bedient das Leistungsprinzip.

Bei einem frauen- oder genderfreundlichen Porno stehen die Lüste aller im Mittelpunkt, die durch vielfältige Praktiken befriedigt werden können.

Wir definieren Sex als etwas, was allen Beteiligten Spass macht und nach dem Konsens-Prinzip erfolgt.

Das bedeutet sex-positive Darstellungen von Sex.

 

Wir von der Redaktion denken: Vollkommen richtig! Dieses Streben nach genannter Selbstdefinition! Es gibt wirklich nicht einen Grund, warum Pornos weiterhin so gedreht werden sollten, wie sie gedreht werden. Sieht eurer Liebesleben im Bett wirklich so aus? Reingesteckt, an den Haaren gezogen, schnell schnell der Frau nochmal flapsig auf den Arsch gehauen, sie stöhnt übertrieben gespielt. Wenn so eurer Sex Leben aussieht, tut ihr uns Leid. Und glauben wir nicht. Es gibt ja so viele tolle Varianten, Sex ist so vielseitig und spielerisch, wir verstehen gar nicht, warum er nur bloß so einseitig gefilmt wird. Darum gehen wir zum PorYes Award und zum Porn-Film-Festival Berlin! Da gibt´s ganz viel Erotisches, Facettenreiches.

 

Giada.Berlin: Kann ein Porno die Sexualität eines Menschen beeinflussen?

 

Laura Méritt: Natürlich, wir können uns der Pornografisierung (auch des Alltags) doch gar nicht entziehen.

Alle und insbesondere Jugendliche informieren sich übers Internet und werden hier mit Mainstreamporn konfrontiert, der Normen für sexuelle Verhaltensweisen setzt und Schönheitsideale (re-) produziert. Alles Abweichende gilt als Sonderkategorie oder Fetisch. Deshalb ist es ja so wichtig, andere Angebote zu machen.

Wir brauchen Aufklärung und sexuelle Bildung, nicht nur in der Schule, die sonst von der Mainstream-Pornografie dominiert wird.

Da helfen Angebote von Filmemacherinnen der PorYes-Bewegung.

 

Wir von giada.berlin haben mal zusammengetragen, was uns so ein Mainstreamporno lehrt:
1. Frauen lieben den Samen des Mannes im Auge. Wenn er trifft, wartet ein großer Preis!
2. Der Arsch einer Frau ist für nichts anderes zuständig, als Schwänze zu empfangen. Er ist immer sauber, feucht und schmeckt gut. Am liebsten lutschen Frauen Schwänze, die zuvor in ihren Po eindrangen.
3. Seit 1992, Auswirkungen der Chernobylverstrahlung, werden nur noch Frauen geboren, die über einen Null-Haarwuchs am ganzen Körper (bis auf den Kopf) verfügen.
4. Je größer sein Johannes…desto hässlicher sein Gesicht! Die Natur segnete Männer nur mit einem der beiden Merkmale, darum immer die schönen Frauen mit den hässlichen Männern in den Filmen.
5. Frauen verfügen sicher nicht über ein Geschlechtsorgan, mit dem sie schöne Gefühle erfahren können. Was ihnen ein schönes und geiles Gefühl gibt, ist einzig und allein, den Mann zu befriedigen und seinen Schwanz zum „Abspritzen“ zu bringen.
Ähm. Ja.

 

Giada.Berlin: Wozu braucht die Gesellschaft überhaupt Porno?

 

Laura Méritt: Dass ein enormer Bedarf existiert, ist an der ökonomischen Machtstellung der Sex- und Pornindustrie abzulesen. Er ist auch auf einen Mangel an sexueller Bildung zurückzuführen.

Die Wenigsten wissen über ihre sexuelle Anatomie Bescheid, die weibliche ist oftmals negativ oder unvollständig beschrieben. Es gibt keinen ganzheitlichen Blick auf die sexuelle Anatomie, der Gesundheitsaspekt ist vollkommen ausgeklammert. Das Sprechen über Sexualität fällt immer noch vielen schwer.

Positive Bilder und vor allem eine positive Sprache kann nicht nur eine Quelle der Inspiration, sondern auch direkt sexuelle Bildung sein.

Mit dem Freudenfluss-Netzwerk organisieren wir sexual-politische Kampagnen wie z.B. zur weiblichen Ejakulation, den MöMo-MösenMonat März, den Feminist Porn-Award „PorYes“ usw., die großen Anklang finden.

 

Habt ihr hier was hinzuzufügen? Wir hier nicht. Außer: Nicht-Bescheid wissen über die eigene sexuelle Anatomie? Gerne leihen wir noch mal Bücher aus der Grundschule aus. Falls jemand wirklich noch mal von Vorne anfangen muss. Also. Un.vor.stell.bar. Ein schönes Weiterbildungsangebot zu diesem Thema findet man auch in unserem eBook Shop.

 

Giada.Berlin: Du bezeichnest den PorYes Award als Feminist Porn Award. Was ist heutzutage Feminismus in Deutschland? Ist das Wort Feminismus in Deutschland nicht übertrieben? Wir Frauen haben doch die gleichen Rechte wie Männer.

 

Laura Méritt: In der Realität sieht die Gleichberechtigung aller Geschlechter leider anders aus.

Gerade in der Sexualität als einem politischen Bereich wissen wir noch viel zu wenig oder werden bewusst unwissend gehalten, was in Zusammenhang mit Bevölkerungspolitik und Macht zu sehen ist.

Eine einvernehmliche Sexualität mit sich selbst und anderen Personen kann weitreichende Folgen auf allen anderen Ebenen des Lebens haben.

Als Feminist_innen setzen wir uns für (sexuelle) Selbstbestimmung aller Personen ein, um eine Kultur des freudvollen Miteinanders zu ermöglichen. Damit werden auch Männer aus ihren geschlechter bedingten vorgesehenen Rollen befreit.

 

Anmerkung von uns: Genau! Liebe Männer, seht unser Streben doch nicht als beängstigend an! Seid froh, dass auch ihr dann endlich mal lernt, andere Facetten von euch selbst kennenzulernen. Oder kennenlernen zu dürfen! Muss ja furchtbar für euch sein, dieser eine Weg, der für euch vorgesehen ist. Guckt euch uns Frauen an! Wir sind alles. Lieb, nett, lustig, zickig, garstig, süß, weich, hart, politisch, nicht politisch, führend, folgend, spielerisch, knallhart, analytisch, zahlen hassend, kaufsüchtig, Schokoladen süchtig,sexy, nackt, angezogen,….

 

Giada.Berlin: Auf welchen Film freust du dich besonders? Warum?

 

Laura Méritt: Alle sind auf ihre Art toll:

die intelligenten Slowporns von Gala Vanting, erotisch glaubhafte Geschichten von Jennifer Lyon Bell, der künstlerische Ansatz der Genderhinterfragung von Goodyn Green und natürlich die beiden supersympathischen queerenPornstars Buck Angel und Jiz Lee, sie alle tragen zu einer anderen sex-positiven Geschichtsschreibung bei. Sie machen eine Erotik-Kultur der Vielfalt aus.

 

Eure Redaktion von giada.berlin erinnert euch auch an das Pornfilmfestival vom 21. bis 25. Oktober in Kreuzberg! Auch hier geht es um einen Perspektivwechsel im Thema Sex und ist einfach mal etwas wundbar anderes!

 

Laura Méritt ist ebenfalls Betreiberin des Freitags-Freuden-Salons, der immer ab 18 Uhr in der Fürbringer Straße 2 in Kreuzberg stattfindet.

Ihr steigt am U-Bahnhof Gneisenaustraße oder Mehringdamm aus, um dort hin zu gelangen! Offen ist dieser für alle Arten von Weiblichkeit. Geredet wird über alles, was unsere Frauenherzen so in sich tragen, seien es neue wünschenswerte Dildokreationen, die tollste entdeckte Schoko-Kaffee-Variation, die Regierungskoalition oder Beziehungskisten.

Jeder Salon beinhaltet auch immer ein Thema, am 23. Oktober wird es der Kuschelsalon sein (Kuscheln mit Anleitung), eine Woche darauf verwandelt er sich in den Tantra Abend (30.Oktober). Die Themen können sich gewünscht werden, und allen Weiblichkeiten ist es natürlich erlaubt, sich auch selbst einzubringen! Es können Filme, Bücher, Seminararbeiten und vieles mehr mitgebracht und vorgestellt werden! Der Freitags-Freuden-Salon bietet ebenfalls die Möglichkeit sexual-politische Aktivitäten vorzubereiten und daran mitzuwirken!

Auf ihrer Homepage „Sexclusivitäten“ findet ihr nicht nur Sexspielzeug, sondern auch alle Infos zu kommenden Salons und sogar zu Sexparties für alle sexuellen Orientierungen! Also unbedingt mal rauf- und hinschauen!

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