Love-Coach Michalina Mayerhoff

Interviews [ 0 ]
Männer und Frauen müssen offen reden für eine tolle Beziehung Fotoquelle Oliver Rath „Penisbruch“

 

Michalina Mayerhoff´s Tätigkeitsfelder sind vielfältig. Sie ist Coach, Seminarleiterin, Autorin und Filmemacherin. Sie hat schon viel erlebt in ihrem Leben und unter anderem die Buchreihe „In Bed with Berlin“ geschrieben, eine Erotikbuchreihe für Frauen.

 

Mit uns sprach sie über die Liebe in Berlin, ihr persönliches Geheimnis für eine glückliche Partnerschaft und ihr Seminar, das sie am 28. November ab 13 Uhr geben wird.

 

 

giada.berlin: Michalina, was liebst du an dieser Stadt so?

 

Michalina Mayerhoff:

Es ist für meine Begriffe eine freie Stadt. Man kann hier sehr facettenreich leben. Die Stadt bietet Nischen für jeden. Man kann hier so leben, wie man eigentlich möchte. Man kann sich als Mensch komplett ausdrücken. Im Gegensatz zu allen anderen Städten in Deutschland. Die einzige Stadt, in der man das auch kann, ist New York. Für mich ist Berlin immer die kleine Schwester von New York, wo ich auch mal eine Zeitlang gewohnt habe. Das Lebensgefühl ist sehr ähnlich. Also sehr frei. Nur,dass Berlin etwas langsamer und etwas leiser ist, was ich sehr schätze. Es ist nicht so anstrengend wie New York. Aber es ist schon vergleichbar damit. Sydney ist noch ganz schön, da war ich auch mal. Sydney ist auch relativ frei. Aber Berlin hält für mich international, und ich hab wirklich in vielen großen Metropolen gearbeitet, komplett stand, was Freiheit angeht. Oder übertrifft es sogar. Paris zum Beispiel übertrifft es komplett, Paris ist viel enger, viel mehr bourgeoise orientiert als Berlin.

 

giada.berlin: Findest du, dass sich die Liebe in Berlin anders verhält als in anderen Städten?

 

Michalina Mayerhoff:

Ja. Sie ist schon schnelllebiger, auch freier und verrückter. Gestern habe ich im Radio gehört, dass Berlin mit den Singles ganz vorne liegt. Es gibt nur noch 41 Prozent Paare. Der Rest ist Single und besteht auch viel aus Single-mothers. Das unterscheidet Berlin natürlich von den Städten wie München oder Hamburg. Ich find’s aber auch facettenreicher, es gibt nirgendwo so viele Schwule, es ist hier halt das Zentrum für Schwule und Lesben in Europa. Es gibt nur noch Amsterdam und ein bisschen London, aber sonst spielt sich das Meiste hier ab.
giada.berlin: Also würdest du unterschreiben oder zustimmen, dass Berlin voller Liebe ist, aber eben eine besondere, andere Liebe.
Michalina: Ja. Man darf sich nicht davon ablenken lassen, dass es kurzfristige Affären gibt. Da steckt ja auch Liebe drin. Es gibt ganz viele verschiedenen Formen von Liebe. Ich glaube, dass viele Leute das Bewusstsein dafür nicht haben. Für diese andere Art von Liebe. Noch nicht. Die denken immer noch, eine Ehe ist Liebe und alles andere ist nicht Liebe. Und ich glaube, das stimmt nicht.

 

giada.berlin: Du gibst Seminare, und in deinem Seminar geht es ja darum, wieder Schwung in das eigene Liebesleben oder in die Liebe zu bringen. Glaubst du wirklich, dass das auch bei langjährigen Partnerschaften möglich ist?

 

Michalina Mayerhoff:

Es gibt einen Scheideweg, irgendwann. Entweder man kriegt sich noch ein, wenn die Fronten nicht zu festgefahren sind und irgendwann mal eine grundsätzliche Erotik „geherrscht“ hat. Wenn man sich die ganze Zeit fetzt, gibt es auch noch Hoffnung. Aber wenn alles total tot ist, emotionslos, kann man es zwar versuchen, aber es gibt kaum noch die Möglichkeit, dass es wieder funktioniert. Dann muss man dazu stehen. Das Hauptproblem, und darauf zielt mein Seminar ab, das Hauptproblem zwischen Mann und Frau ist, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Mann und Frau reden nicht miteinander. Bis heute nicht. Sie haben auch Angst, ihre Wünsche zu äußern, ihre Träume zu beschreiben oder zu sagen, was sie gern haben und was nicht. Und das muss man lernen.

 

giada.berlin: Du schreibst, dass du spielerisch arbeitest, unter anderem auch mit Rollenspielen. Können denn auch sehr schüchterne Menschen an deinem Seminar im Oktober teilnehmen?

 

Michalina Mayerhoff:

Ja unbedingt. Jemand der komplett schüchtern ist, der braucht nur zu gucken. Er kommt schon rein. Das funktioniert gut, da habe ich keine Bedenken.
giada.berlin: Was suchen denn die Leute, die dein Seminar besuchen? In welchem Bereich haben die Leute Ängste zum Thema Sex oder Liebe? Wer ist angesprochen?
Michalina: Das ist eine große Frage. Ich hab das mit Absicht breit gestreut. Ich habe auch einen kleinen Satz in meinen Flyer geschrieben:„Ich weiß,dass Mut dazu gehört, zu so einem Seminar zu kommen. Aber bringen Sie ihn auf, es lohnt sich.“
Viele haben auch zuzugeben, dass bei ihnen im Bett nichts mehr läuft. Das ist ein Problem, das weiß ich. Ich glaube auch,dass weniger Homosexuelle kommen werden, weil die denken,dass sind ihnen zu viel hetero Paare. Dass sie da nicht reinpassen. Ich wünsche mir, dass Leute kommen, die noch nicht soweit sind, die tief im Dreck sitzen mit ihrer Bettsituation. So, dass es schon paartherapeutenreif ist. Aber ich glaube, dass eher die Leute kommen werden, die ein paar Fragezeichen zu dem Thema haben, und wir da dann spielerisch rangehen. Wie gesagt, alle sind willkommen.

 

giada.berlin: Jetzt noch eine ganz wichtige Frage: Was ist dein Geheimnis für eine glückliche Liebe?

 

Michalina Mayerhoff:

Wichtig ist, dass man nicht glaubt, man wäre jetzt die große Einheit und bleibt ewig lang zusammen. Ich glaube, es ist wichtig, dass jeder seine Individualität absolut behält. Komplett. Und dass man sich auch bewusst wird, dass beide Personen, oder drei, je nachdem wie die Beziehung gestrickt ist, sich jeden Tag entwickeln. Man bleibt nie stehen. Das heißt, im Grunde genommen müsste man seinem Gegenüber jeden Tag mit einem komplett neuen Blick begegnen. Und das heißt auch, den anderen 100 Prozent annehmen und akzeptieren. Und ihn nicht als garantiert hinnehmen. Ich bin auch kein Wahrheitsfanatiker, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen die ich so kenne. Das muss ich ja offen zugeben. Ich hab mein Leben und mein Partner muss jetzt nicht alles wissen. Ich hab Geheimnisse, ja. Und wenn ich mit jemand anderem mal rumflirte oder mal kurz irgendwas habe, dann muss mein Partner das nicht unbedingt wissen. Das ist meine persönliche Haltung. Weil, wenn es nicht bedrohlich ist, warum sollte ich ihm damit vielleicht weh tun. Wenn´s jetzt ganz was Ernstes ist, muss man drüber sprechen. Wenn´s nicht bedrohlich ist, hergott nochmal. Man denkt ständig irgendwo an Sex, Männer angeblich noch mehr als Frauen. Die ganze Welt ist irgendwie sexualisiert. Wir leben in einer sehr übersexualisierten Welt, was Medien anbelangt. Aber auch rein menschlich gesehen, vom ersten Moment des Lebens an, bis zum letzen, hat man als Mensch mit Sexualität zu tun. Das hört nie auf. Und ich gestehe meinem Partner auch zu, dass er auch seine Geheimnisse hat. Wenn er nicht will, muss er mir nicht alles verraten.

 

Diese Internetseite verwendet Cookies, um die Funktionalität und den Inhalt zu optimieren. Durch die Nutzung unserer Website wird der Verwendung von Cookies zugestimmt.
Weitere Informationen zu Cookies und der Verwendung Ihrer Daten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.