Männer, Ihr seid unsere Sexobjekte

Oversexed [ 2 ]
Männer sind unsere Sexobjekte Korionov / shutterstock

Neulich habe ich mit einem Ex-Lover beim Kaffee zusammen gesessen und geplaudert. Ich pflege ausgesprochen gern Freundschaften zu meinen ehemaligen Liebhabern. Und mit diesem hier geht es in unseren Gesprächen auch häufig um Sex.

Ich sagte ihm, dass für mich der Durchschnittsmann auf der Straße hier in Deutschland im Allgemeinen völlig unerotisch rüberkommt. Im Grunde sind die meisten Männer, denen ich im Alltag begegne, für mich schwanzlos.

Mein Ex-Lover war geschockt.
„Das würden diese Typen aber gar nicht gerne hören!“, so sein verstörter Kommentar.

„Ist aber leider so“, setzte ich meine Rede fort. „Die meisten männlichen Geschöpfe, denen ich täglich begegne, sind für mich nahezu geschlechtslos. Jedenfalls was die sexuelle Ausstrahlung anbelangt. Wenn Anzug und Krawatte oder irgendeine andere vermeintlich männliche Kostümierung das einzige Indiz für die Geschlechtszugehörigkeit bleibt, dann kann ich mir – auch wenn ich mir diese nichtssagenden Typen nackt vorstelle – keinen Schwanz ausdenken, den sie ja mit ziemlicher Sicherheit zwischen den Beinen baumeln haben. Das ist schade, weil es das Leben so viel bunter gestalten würde, wenn die Mehrzahl der Typen wirklich MÄNNLICH wäre: erotisch, sexy, entspannt, körperbewusst ohne ständig Adonis spielen zu müssen. Zu lockeren Flirts aufgelegt ohne dass man gleich zusammen ins Bett gehen muss.“

Im Folgenden ging das Gespräch stärker in Details. „Stimmt es eigentlich, dass Männer sich Frauen oft nackt vorstellen? Angeblich zwischen fünfzig und hundert Mal pro Tag an Sex denken? Und dass sie dabei, forsch ausgedrückt, auf Arsch und Titten aus sind? Dass wir Frauen wirklich nur Sexobjekte sind?“, preschte ich nach vorn, obwohl ich das natürlich weiß, seit ich 13 geworden bin. „Na schön, ins Gesicht gucken sie einem vielleicht auch noch – sofern sie denn einen anspruchsvollen Tag haben“, fügte ich hinzu.

„Letzteres stimmt nicht“, meinte mein Gegenüber. Männer würden Frauen sehr wohl ins Gesicht gucken. Wenn auch nicht zuallererst. Oft ginge der erste Blick in der Tat auf den Busen.
Was ich nur bestätigen konnte.

„Und Frauen?“, sinnierte ich. „Also: Wenn ich einen Typ sexy finde, stelle ich mir im Bruchteil einer Sekunde vor, wie er nackt aussieht und bin dabei total schwanzfixiert. Das geht ganz automatisch. Bei einem anziehend wirkenden Typ männlichen Geschlechts spinnt sich in meinem Hirn und in meinen eher vaginal-klitoral orientierten Synapsen ein Bild von seinem Penis und den rundherum gelegenen Weichteilen zusammen. Außerdem gucke ich natürlich, visuell magnetisch angezogen, auf seinen Hintern. Wenn er es denn wert ist, das heißt, wenn er schön rund und knackig rüber kommt. So bilden sich flashartige Gebilde einiger Eventualitäten. Alles bleibt der Fantasie überlassen und es macht Spaß, es sich auszumalen.“

„Ja … ja, ich verstehe“, stammelte mein Ex-Lover. Er konnte sich offenbar nicht entscheiden, ob er es super fand, dass ich ihn einstmals ebenso taxiert hatte, bevor wir in die Kiste gestiegen sind, oder ob er nahezu brüskiert sein sollte, dass ich Männer genauso betrachte: als Sexobjekte.

Ich holte noch weiter aus: „Ist doch so: Warum und wann schaut ein Mann eine Frau gern an? Weil (und wenn) sie körperbewusst und spielerisch im Umgang mit Erotik auftritt. Sie muss dabei nicht versuchen Marilyn Monroe zu kopieren. Das ginge eh schief. Einfach nur sie selbst sein: Das ist von ganz allein super-anziehend und sexy. Die meisten Männer haben in der Hinsicht kein Gefühl für sich selbst. Abgesehen mal von den ganz bedauerlichen Exemplaren, die vor lauter Bierbauch ihr Geschlechtsteil nicht mehr sehen können, wenn sie an sich herunter gucken.“
„Ja, sicher“, musste mein Ex-Lover kleinlaut zugeben. „Da ist viel Wahres dran.“

Pause.

„Mal ehrlich, ES MACHT SPASS, attraktive Männer anzuschauen und kurbelt ganz von selbst irgendwelche netten Fantasien an!“, versicherte ich ihm – und kann das nur an alle Mädels und Frauen weitergeben! Ich empfehle dringend, den Alltag durch diese Sichtweise auf die männliche Umwelt aufzupeppen. Alles wird sinnlicher und weniger ernsthaft. Unwillkürlich muss ich manchmal lächeln, wenn ich ein ansehnliches Geschöpf des „anderen Geschlechts“ in Gedanken ausziehe, während er vielleicht ahnungslos im Büro am Telefon hängt oder bei mir zuhause einen Wasserhahn repariert und mir einen freien Blick auf seinen hoffentlich runden Hintern ermöglicht.

Und dann die Kür: Wenn ich mir zusätzlich vorstelle, dass sich auch diese attraktive Kreation des Universums am Tag oder in der Nacht einen runter holt, kann mich das unter Umständen echt anmachen. Vielleicht tut er das auf der Bürotoilette, weil ihn irgendeine Fantasie angesichts einer hübschen Kollegin gerade wirklich heiß gemacht hat. Und natürlich zu Hause in seinem Bett, wenn er Single ist.

Falls er jedoch mit einer in dieser Hinsicht befangenen Ehefrau geschlagen sein sollte, verzieht er sich dafür ins Bad. Kann auch geil sein – und noch besser, wenn ich dabei wäre. Nette Vorstellung.

Mein Ex-Lover schweigt. „Haben wir nie gemacht“, konstatiert er leise und bezieht sich damit auf die Bad-Szene. In seinem Tonfall liegt leichte Enttäuschung. „Naja“, ermuntere ich ihn, „sag’s deiner Frau.“ (Er ist verheiratet.) „Oder wir schauen mal, was in ein paar Jahren mit uns passiert.“ Ist schon mehrfach vorgekommen, dass ich alte Beziehungen erfolgreich und mit beachtlichen erotischen Verbesserungen revitalisiert habe.

Um meinen Gesprächspartner nicht komplett zu entmannen, behalte ich den Rest meiner Gedanken für mich: Richtig lustig wird es nämlich, wenn ein Vorgesetzter zum Beispiel in einem Meeting langweilige Vorträge hält und selbst wenn er nicht attraktiv ist, stellt man sich ihn nackt vor. Könnte er vielleicht doch einen gewissen wenn auch minimal kleinen Sex-Appeal (und den dazu entsprechenden Penis) haben oder nicht? Egal, wie die Antwort aussieht, die sich dann im Kopf herausbildet: Dieser Mann, egal ob Politiker, Chef eines großen Unternehmens, eingebildeter Künstler oder was auch immer für eine gesellschaftliche Größe männlichen Geschlechts er vermeintlich sein mag … dieser Mann wird plötzlich normal, menschlich und vielleicht sogar ziemlich klein – im übertragenen Sinn versteht sich. Üben kann man diese Betrachtungsweise übrigens sehr gut wenn man Politiker beim Reden im Fernsehen anschaut. Und falls ich in einem Meeting gegen einen Mann der beschriebenen Kategorie „nicht wirklich männlich“ argumentieren muss, wird mir das mit diesem Bild im Kopf sehr viel leichter fallen.

Ich werde ihn anlächeln und mit der amüsanten aber lediglich gedachten Frage an ihn kontern: „Bist du nun schwanzlos oder nicht? Bezieht sich das Geschwollene nur auf dein Reden?“

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